If I could, I would…. – was würdest du in der Examensvorbereitung anders machen, wenn du könntest?

Wie oft gab es Momente, in denen ich mich in der Examensvorbereitung geärgert hab. Es war gerade im Endspurt zum Verzweifeln. Ich hab mich gefragt, wie ich die 24 Stunden am Tag zu 48 machen kann, weil mir die Zeit gefehlt hat, Dinge zu lernen, die ich gerne noch gelernt hätte. Ständig dachte ich mir, hättest du nur früher zum lernen angefangen- aber nein, Netflix und Mittagsschlaf war dir wichtiger 😉

Ich denke, das ist ein Phänomen, das auch anderen Examenskandidaten bekannt ist. Alles kann man nie schaffen, aber man kann bereits in der Vorbereitung den Grundstein legen und mit einer guten Planung ein bisschen Hektik und Stress vermeiden, um die letzten Monate vorm Examen entspannt sein Lernprogramm durchzuführen.
Ich habe fellow law students die Frage gestellt, was sie in der Examensvorbereitung rückblickend anders machen würden und dies mit meinen Erfahrungen ergänzt. Die meisten Juristen haben ähnliche Erfahrungen gemacht und ich freue mich, diese im heutigen Beitrag mit Euch zu teilen. Ich hab die Tipps für Euch in Kategorien eingeteilt, damit es übersichtlicher ist. Also ihr Lieben, macht es besser und spart euch den Stress, den wir hatten 😉

Lernen

„Rechtzeitig mit Lernen anfangen, feste Lernzeiten“

Gewohnheit führt zum Erfolg. Wenn man feste Lernzeiten hat und sich diese wie Termine im Kalender einträgt, dann fällt es einem nicht schwer, sich an den Schreibtisch zu setzen und was zu tun. Man sollte sich eine Routine aneignen, damit einem das Lernen an sich besser gelingt und nicht jedes Mal aufs Neue eine große Überwindung kostet. Es hilft auch, den gleichen Arbeitsplatz zu haben, weil man sich dann nicht so schnell ablenkt.

Mich hat es stets mit Zufriedenheit erfüllt, wenn ich mein Lernpensum erreicht habe. Auch Pausen und Belohnungen sind wichtig und man kann den freien Nachmittag oder Abend ohne schlechtes Gewissen genießen, wenn man seine Lernzeiten eingehalten hat.

„Von Anfang an besser organisieren, Lernplan erstellen“

Ein Lernplan hilft, bei der Stoffmenge den Überblick nicht zu verlieren. Wenn man nicht weiß, wie man vorgeht, kann man sich ein Lehrbuch oder Vorlesungsskript zur Hand nehmen und die Teilgebiete anschauen, die behandelt werden. Danach kann man sich dann einen Lernplan erstellen. Fürs Examen hilft auch ein Blick in die JAPO, um zu wissen, was im Examen Prüfungsstoff ist. Ich hab fürs Examen zu den jeweiligen Teil-Rechtsgebieten die Fälle vom Repetitor gezählt und auf die Wochen verteilt. Es hilft, sich ein Ziel zu setzen, wann man realistisch ein Rechtsgebiet fertig haben will und auch Puffer und Wiederholungseinheiten einzuplanen

„Aktiv lernen – auch üben, das Gelernte juristisch mündlich auszudrücken- eine gute Übung für die spätere mündliche Prüfung“

Dies kann man am besten in einer Lerngruppe realisieren. Man kann aber auch einfach mal in der Mensa mit Kommilitonen über ein juristisches Thema sprechen und Argumente austauschen

„Mehr lernen; mehr Nebengebiete lernen“

Die Nebengebiete sollte man nicht vernachlässigen, diese kommen verstärkt im ersten Examen dran. Ich hatte zB im ersten Examen Klausuren im Erbrecht, Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht, also lohnt es sich, auch bei den Nebengebieten einen Überblick zu haben.

„Mehr auf Basics konzentrieren, nicht auf Details versteifen“

Wichtig ist, die Aufbauschemata zu beherrschen und zu wissen, wie Obersätze im Verwaltungsrecht lauten. Es gibt im Examen Dinge, bei denen man nicht lange überlegen sollte, weil man noch genug Zeit zum Überlegen für unbekannte Probleme oder Normen braucht. Es ist hier nützlich, sich für bestimmte, immer wiederkehrende Formulierungen Textbausteine zu notieren, die man dann im Examen schnell abrufen kann. Weniger wichtig ist, die hundertste Mindermeinung zu einem „Meinungsstreit“ zu lernen. Es hilft sicher, Argumente für und wider zu kennen, hier kann man sich als Orientierung merken „zwei dafür, eins dagegen“ , und am besten die Argumente lernen, die du dir gut merken kannst

„Gleich zu Beginn für eine Lernmethode entscheiden und diese konsequent durchziehen“

Es ist in Ordnung, wenn man am Anfang noch nicht seine Lernmethode gefunden hat und sich ein bisschen ausprobiert. Man sollte sich auch definitiv die Zeit nehmen, seine Methoden zu hinterfragen, aktualisieren oder zu ändern, wenn man merkt, dass diese nicht zum gewünschten Erfolg führen. Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und das zu machen, was sich für dich am besten anfühlt. Es bringt nichts, wenn Freunde zB auditive Lerntypen sind, und sich nichts aufschreiben müssen, sondern einfach durchs Zuhören viel mitnehmen- wichtig ist, wie du am besten klarkommst. Gerade zu Beginn des Studiums kann man sich noch ausprobieren. Sobald man Klausuren schreiben muss, merkt man schon, wie man da ran geht.

 

Klausuren

„Mehr Klausuren ohne Hilfsmittel schreiben“

Ich würde sagen, alle Klausuren ohne Hilfsmittel schreiben wenn es geht. Im Examen hat man nämlich auch nur sein Gesetz und sein Wissen. Man kann schon mal nachschauen, wie man etwas aufbaut. Gerade am Anfang muss man sich erst mal an so ne Klausur rantasten, da kann ein Blick in ein Lehrbuch oder Skript schon hilfreich sein. Viele haben nämlich Angst, gar nichts abliefern zu können und schreiben die Klausur dann von vornherein nicht, was auch nicht gewollt ist. Aber man sollte dann auch ehrlich zu sich selbst sein, und sich darüber bewusst sein, dass die Note die man erzielt hat, nicht die Wirklichkeit widerspiegelt. Wenn man Klausuren mit Hilfsmitteln schreibt, kann man auch einiges lernen und sollte das aber dann auch als das sehen, was es ist- eine Übung- nicht mehr und nicht weniger

„Von Anfang an Klausuren schreiben. Lehrbuchwissen alleine reicht nicht“

Es ist zwar schön, wenn man theoretisch weiß, wie man die Wirksamkeit eines Testaments prüft, aber man sollte auch in der Klausur die Angaben aus dem Sachverhalt verwerten können und auslegen können. Theoriewissen alleine wird niemals reichen, um eine gute Klausur zu schreiben. Man muss wissen, an welcher Stelle man sein Wissen anbringt und wie man das macht und das lernt man am besten, wenn man Klausuren schreibt. In der Klausur wird nicht abgefragt, wie ein Meinungsstreit von der Literatur oder der Rechtsprechung entschieden wird, man muss auch mal erkennen, ob das gerade gefragt ist und wo es eine Rolle spielt.

„Klausuren nacharbeiten; geschriebene Klausuren selbstkritischer anschauen und besser nacharbeiten in Bezug auf Stil und Inhalt“

Klausuren nacharbeiten, um frühzeitig Fehler zu erkennen, die man wiederholt begeht oder um zu erfahren, wo noch Wissenslücken bestehen, die gefüllt werden müssen. Es ist nicht schlimm Fehler zu machen – lieber in der Probeklausur, als im Examen. Aus Fehlern kann man unglaublich viel lernen, man muss aber auch wissen, welche Fehler man macht und ob sie nur einmal passieren, oder mehrmals.

Ich find den Punkt richtig gut, dass man die geschriebenen Klausuren auch auf Inhalt und Stil nachkorrigiert. Als Tipp würd ich empfehlen, die Lösungsskizze neben die eigene Klausur zu legen und einfach zu vergleichen. Wie geht die Lösung an ein Problem heran, wie viel steht dazu, wie viel hat man selbst geschrieben. Hat man einen Satz geschrieben und in der Lösungsskizze ist dem ein ganzer Absatz gewidmet? Da erkennt man auch super die Schwerpunktsetzung. Oft kommt es nämlich vor, dass man zu dem, was man gut kann und gut gelernt hat, viel mehr schreibt und die eigentlichen Probleme der Klausur verkennt oder zu knapp behandelt. Dies kann vermieden werden, wenn man ein Gefühl dafür entwickelt, wie man Schwerpunkte richtig setzt.

„Klausuren schreiben, mehr Klausuren schreiben“

Das ist ein wichtiger Punkt, deshalb bekommt der eine eigene Überschrift. Was hier auch genannt wurde, ist „mehr Klausuren zu schreiben und dafür weniger Karteikarten zu erstellen oder zu lernen“ und „Fälle üben auch wenn man das Gefühl hat, dass man nichts kann“.

Es gibt Kandidaten, die schreiben vorm Examen 10 Klausuren und es gibt welche, die kommen aufs Fünffache oder mehr. Ich denke die Mischung macht‘s. Man sollte auf jeden Fall Klausuren (unter Examensbedingungen, in 5 Stunden) schreiben, um einfach zu sehen, wie man mit der Zeit klarkommt, wie viel Zeit man zum Gliedern braucht etc. – hier hat‘s mir geholfen, samstags den Klausurenkurs in der Uni zu besuchen. Da schreibt man die Klausur in 5 Stunden mit anderen Studenten im großen Hörsaal. Das motiviert, weil man weiß, die machen das gleiche durch und danach kann man sich einen freien Nachmittag gönnen.

Oft hört man die Ausrede, ich kann das Thema noch nicht und muss es erst lernen, deswegen schreib ich die Klausur nicht. Das ist aber ehrlich gesagt Schwachsinn, weil es im Examen immer so sein kann, dass man zu Themen, die man nie gehört hat, was schreiben muss. Es ist einfach eine gute Übung, um zu schauen wie man in Stresssituationen klarkommt. Du willst nicht erst im Examen sitzen und denken, was mach ich jetzt nur- das wird dir sowieso passieren. Aber dann willst du zumindest nicht in Panik verfallen, sondern weil du das schon erlebt hast, kurz durchatmen und ruhig anfangen und deine Gedanken sortieren. Man muss auch mal üben, ne Klausur zu schreiben und gar keine Ahnung zu haben. Dabei lernt man auch viel, und hat unbekannten Themen gegenüber keine Angst mehr sondern ist dem gegenüber aufgeschlossener und selbstbewusster und lernt, zu argumentieren und mit dem Gesetz zu arbeiten.

 

Außerdem

„Sich weniger stressen“

Man sollte auf jeden Fall nicht nur lernen, sondern sich einen Ausgleich suchen. Ob es Sport oder ein Hobby ist, oder einfach nur Freunde treffen- Hauptsache, man gönnt sich eine Pause und Auszeit, um wieder Energie und Kraft zu tanken. Das ist für den Lernerfolg genauso wichtig, wie das Lernen selbst und sollte nicht unterschätzt werden. Mach einfach das was du kannst, und gib alles. Das kann an manchen Tagen mehr oder weniger sein, aber wehre dich nicht dagegen, nimm es einfach dankbar an – mehr als das Beste geben, kann man eh nicht.

„Nicht alles glauben und lernen, was der Repetitor sagt- sehr viel Panikmache“

Da würde ich noch ergänzen: auch nicht alles glauben, was Kommilitonen sagen. Panikmache ist leider sehr beliebt und verbreitet in diesem Studium. Da hilft es, einfach mal wegzuhören. Die, die am lautesten schreien, sind in der Regel die, die am wenigsten können. Steh zu deinem Lernprogramm und lass dich nicht von anderen runterziehen. Deren einziges Ziel ist, den Lernfortschritt anderer zu minimieren, indem sie verbreiten, was sie angeblich alles gelesen und gelernt hätten und was sicher in der nächsten Klausur dran kommt, nur um Verunsicherung zu schüren.

Auch Repetitoren neigen leider gern dazu, Panik zu verbreiten, um die Studenten zum Lernen zu motivieren oder Kurse zu verkaufen. Man sollte aber nicht aus den Augen verlieren, dass diese sich auch eingehend mit den Examensklausuren der letzten Termine beschäftigen und einen Erfahrungsschatz besitzen, was im Examen gerne mal häufiger abgeprüft wird. Außerdem kennen sie vielleicht auch Kollegen, die Examensklausuren zu einem Thema einreichen, und die dann bei euch im Termin drankommen könnten.

Lasst euch aber in jedem Fall nicht verrückt machen. Beherrscht ihr die Grundlagen und die Systematik, kann euch so schnell nichts passieren. Habt Vertrauen in das, was ihr gelernt habt und könnt.

 

Ich hoffe, ihr könnt einiges von dem umsetzen, was wir gern besser oder anders gemacht hätten und wünsche euch viel Erfolg beim Lernen und in der Examensvorbereitung.

 

Alles Liebe,

Alice

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