Die Mündliche Prüfung – Teil 1: Meine Vorbereitung

Juhu, man hat die schriftlichen Klausuren bestanden. Es wird gefeiert. Die Korken knallen. Nach so langer Zeit ist man endlich fertig… Aber halt, da war doch noch was. Richtig, es kommt ja noch die mündliche Prüfung auf einen zu.

Wo holt man die Protokolle, wie bereitet man sich vor, wie läuft die Prüfung, was ist das Vorgespräch und was zieht man an? Fragen über Fragen. In dem ersten Teil meines Blogbeitrags zur Mündlichen Prüfung zeige ich euch, wie ich mich auf die Mündliche Prüfung vorbereite. Im zweiten Teil teile ich mit Euch meine Erfahrungen zum Ablauf der Mündlichen Prüfung und die do´s und don´ts im Umgang mit den Prüfern und den anderen Kandidaten.

1. Die Prüfungskommission

Die Prüfungskommission kann man online nachschauen oder erfährt sie spätestens in dem Brief mit den Einzelnoten. Im ersten Examen sind die Prüfer überwiegend Professoren aus der Uni, im zweiten mehr Praktiker, Richter, Min.Räte, Anwälte, Notare u.a.

Die Liste der Prüfungskommission wird täglich online erneuert und ihr solltet sie mindestens einmal am Tag aktualisieren. Vor allem bei den Praktikern im zweiten Examen kann es durchaus vorkommen, dass die Prüfer die Prüfung nicht abhalten können, weil andere Termine dazwischen kommen. Im ersten Examen hat sich mein Strafrechtler dreimal geändert. Das erste, was ich morgens immer mache, ist also nachschauen, ob die Prüfer gleich geblieben sind. Denn wenn nicht, müsst ihr ja auch neue Protokolle besorgen.

2. Die Protokolle

Um zu erfahren, was die Prüfer abfragen, holt man sich die Protokolle zu früheren mündlichen Prüfungen der Prüfer.

Im ersten Examen wird das wohl die Fachschaft Jura organisieren.

Im zweiten Examen gibt es mehrere Anbieter. Bei Alpmann Schmidt, Formaxx und online kann man sich Protokolle besorgen.

Ich hab meine Protokolle bei ExamensheldReferendarswelt und Formaxx (die haben schon im Ersten Examen mit der Fachschaft zusammengearbeitet) geholt.

Man verpflichtet sich typischerweise, selbst Protokolle zu allen Fächern der eigenen Mündlichen Prüfung im Gegenzug für die erhaltenen Protokolle zu verfassen. Daher kann es durchaus vorkommen, dass sich die Protokolle, die man bekommt, inhaltlich überschneiden. Je nach Anbieter, zahlt man pro Protokoll 10€ entweder im Voraus mit Geld-Zurück-Garantie bei Einreichen eigener Protokolle oder es wird der entsprechende Betrag vom Konto abgezogen, wenn man bis zu einem gewissen Datum nach der Mündlichen Prüfung die Protokolle nicht einreicht.

Ich hatte ursprünglich nicht vor, bei so vielen Anbietern Protokolle zu holen. Da es aber zu meinem Zivilrechtler nichts gab, bzw. er früher überwiegend Strafrecht geprüft hat, was mir im konkreten Fall nichts bringt, hab ich es bei mehreren Anbietern versucht, und mit Glück noch welche erhalten.

Bei Examensheld bekommt man die Protokolle aus dem ersten und zweiten Examen. Man muss zuvor eine Kopie der Ladung als Nachweis erbringen und kann nach Freischaltung der Zugangsdaten die Protokolle herunterladen.
Was mir hier nicht so gut gefallen hat, ist, dass es etwas dauert, bis man die Protokolle bekommt, dass man die Ladung hochladen muss und dass man Protokolle des Prüfers ungefiltert nach Rechtsgebieten bekommt und diese nicht auf die eigene Prüfung abgestimmt werden. Also zu meinem Zivilrechtler gab es nur Strafrecht Protokolle. Was ich aber gut finde, ist dass man jederzeit benachrichtigt wird, falls in der Zeit der Mündlichen Prüfung ein neues Protokoll zum Prüfer eingeht.

Bei Referendarswelt muss man keinen Nachweis erbringen und erhält sofort Zugang zu den Protokollen. Auch hier erfährt man, wenn ein neues Protokoll eingeht. Als Nachteil könnte man sehen, dass nur aktuelle Protokolle angeboten werden. Ich finde, auch ältere Protokolle können Rückschlüsse auf mögliche Fragen der Prüfer zulassen.

Was ich hier noch super fand, ist das „Insider Dossier“, was zusätzlich angeboten wird. Es enthält gegen einen Aufpreis -wobei die Protokolle kostenlos bleiben- eine Zusammenstellung aktueller Rechtsprechung und Standardfragen- und themen der Prüfer. Das ist perfekt, um all die Themen zu lernen, die Lehrbücher oder Skripte nicht unbedingt behandeln, z.B: was passiert, wenn eine Klage beim AG anhängig wird, wie schaut das im Einzelnen aus, was macht der Richter oder Staatsanwalt, wenn eine neue Akte bei ihm landet etc.

Das Insider-Dossier kann man auch erwerben, ohne sich bei Referendarswelt registrieren zu müssen. Z.B hier

3. Die Vorbereitung

Ich lese mir zur Vorbereitung erst alle Protokolle durch, weil sich danach auch entscheidet, worauf ich in den nächsten Wochen meinen Fokus lege.

Ich lege mein Augenmerk hier besonders auf Eigenheiten der Prüfer und deren Vorlieben. Was ist ihnen wichtig, genaue Definitionen, korrekte Terminologie, Schlagworte? Oder wollen sie, dass man lieber gut argumentiert? Legen sie Wert auf Kenntnis der neuesten Nachrichten, ist auch gesellschaftspolitisches Wissen erwünscht?

Da die mündliche so anders abläuft, als die schriftliche Prüfung und hier auch mal Fragen zur Rechtsgeschichte, zu aktuellen Gesetzesänderungen und den Hintergründen oder zu Persönlichkeiten der Politik drankommen können, sollte man in der Vorbereitung darauf achten, die aktuellen Geschehnisse gut im Blick zu haben.  In meinem Fall denke ich besonders an die Kampfhundeproblematik, die Erweiterung der Befugnisse der Polizei, die Zulässigkeit von Film- und Tonaufnahmen bei der Verkündung von Urteilen beim BGH, BFH u.a.

Für mich also ein absolutes Muss in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung ist das Lesen der SZ und FAZ. Ihr müsst sie nicht gleich abonnieren, wenn ihr nicht wollt. Es gibt kostenlose Probe-Abos. (Für alle, die wie ich was in der Hand halten müssen, und nicht so gern digital lesen 😉 da bin ich noch ganz oldfashioned. Deshalb lese ich auch keine E-books, aber das ist ein anderes Thema. XD)

4. Butter bei die Fische – was schau ich mir denn jetzt an für die einzelnen Fächer?

a) Zivilrecht

Mein Prüfer schildert meist einen Fall mit materiell-rechtlichen und prozessualen Themen. Daher werde ich zum materiellen Recht meine Unterlagen aus dem ersten Staatsexamen heranziehen und prozessual die Basics aus der ZPO wiederholen. Dies mach ich anhand meiner Rep- Unterlagen, in denen es schöne Übersichten zu den jeweiligen ZPO-Themen gibt, wie zum Versäumnisurteil, zur Parteierweiterung, zur Klagerücknahme etc.

Wichtig ist auch immer – in jedem Rechtsgebiet- die Kenntnis der Instanzenzüge und Tenorierung wird auch gern mal abgefragt.

Werde mir hierzu noch genauer „Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen, Band II“ von Kaiser anschauen, weil das Skript Übungsfälle zum schnelleren Erkennen prozessualer Aspekte enthält. Perfekt, um auch zu üben, in der Kürze der Zeit eine gute Antwort parat zu haben.

b) Berufsfeld Anwaltschaft

Mein wunderschönes Berufsfeld- Anwaltschaft. Hier muss ich bei Null anfangen und mich komplett neu einarbeiten. Da das Berufsfeld doppelt bewertet wird, werde ich meinen Schwerpunkt in der Vorbereitung auch hierauf legen.

Hier arbeite ich mit dem Buch Anwaltsrecht I, Examensschwerpunkte: Berufsrecht, Haftung und Kanzleimanagementund außerdem mit dem e-learning Modul des Deutschen Anwaltsinstituts. Ich liebe es, auch mal Podcasts und Videos und andere Lernmaterialien zu verwenden und zur Erschließung eines neuen Gebiets ist das eine perfekte Ergänzung.

Außerdem werden natürlich die Entwicklungen zum besonderen elektronischen Anwaltspostfach aufmerksam verfolgt.

c) Strafrecht

Mein Strafrechtler prüft überwiegend nur materielles Recht ab, weswegen ich auch hier auf meine Unterlagen zum ersten Staatsexamen zurückgreife. Außerdem schau ich mir nochmal die Änderungen im StGB und in der StPO und die Instanzenzüge an.

Mein absoluter Favorit und kleiner Geheimtipp zur Vorbereitung auf die Mündliche: der Fall des Monats famos. DANKE!

d) Öffentliches Recht

Auch hier wird das Wissen anhand eines Falles abgeprüft, weswegen ich mir hier auch die Rep-Fälle und zu den einzelnen Rechtsgebieten die Skripten der Regierung von Oberbayern nochmal zu Gemüte führen werde. Die Skripten sind super, wenn auch manchmal etwas zu ausführlich, aber frischen ganz schnell die Kenntnisse zum Polizeirecht, Baurecht, Sicherheitsrecht, Kommunalrecht etc. wieder auf.

e) Long story short

Ihr seht also, das ist alles kein Hexenwerk. Arbeitet mit den Materialien, mit denen ihr auch zur Vorbereitung für die Schriftlichen Prüfungen gut zurecht gekommen seid. Behaltet das aktuelle Tagesgeschehen im Auge und wiederholt die Basics. Detailwissen ist nicht wichtig, sondern dass man die Systematik einigermaßen im Griff hat.

5. Last but not least – Prüfungssimulation: ja oder nein?

Ich hab zum ersten Examen damals an der Uni einige Prüfungssimulationen mitgemacht. Man wird mit 3-4 anderen Kommilitonen wie in der echten mündlichen Prüfung abgefragt und dabei manchmal gefilmt, wobei es an der LMU München beispielsweise so ist, dass die Professoren nur zu ihrem eigenen Fach abfragen. Dh, ich habe mich zu drei Simulationen bei den verschiedenen Profs angemeldet, und man wird jeweils eine Stunde abgefragt. Danach trifft man sich wieder, um ein Feedback zu erhalten, was man besser machen kann.

Das Filmen dient der Beobachtung der Haltung und des Ausdrucks und zeigt, wie man selbst rüberkommt. Ich finde, wenn man es nicht gemacht hat, kann es eine gute Erfahrung sein, einmal zu üben, wie der Ernstfall ausschauen könnte. Als Zuschauer, der hinten sitzt und nicht auf dem hot seat, ist es oftmals einfach, zu sagen, dass man was gewusst hätte. Man muss aber die Situation schon mal erlebt haben. Ob man sich der Situation selbst aussetzt oder sich einfach mal in eine richtige mündliche Prüfung setzt (hab ich auch gemacht, um mal zu sehen, wie das alles abläuft), bleibt euch selbst überlassen. Ich persönlich hasse mündliche Prüfungen. Genau deshalb habe ich mich aber auch zu den Simulationen angemeldet, einfach um die Erfahrung zu sammeln, wie es ist, wenn man mal nicht weiterweiß und wie man sich dann verhält. Meine Prüfungssimulationen waren tatsächlich gefühlt viel schlimmer als die „echte“ mündliche Prüfung, aber ich würd es jedesmal wieder machen.

Fürs zweite Examen mache ich das aber nicht mehr, auch wenn‘s angeboten wird. Ich denke ich hab da genug Erfahrungen gesammelt. Wer aber eher schüchtern ist und sich nicht traut, viel zu sagen, der sollte das Angebot auf jeden Fall nutzen, um zu üben, laut zu sprechen und sich juristisch auszudrücken. Ich finde, man ist super mutig, wenn man vor anderen abgeprüft wird und auch wenn man vielleicht denkt, dass man grad der größte Versager ist- man ist es nicht. Glaubt mir, ich wurde im Zivilrecht geprüft mit lauter Leuten im Raum, die ich nicht kannte oder nicht mochte, und hatte teilweise keine Ahnung, und war kurz vorm Heulen, weil der Prof. bei einer Frage, auf die ich keine Antwort hatte, nicht locker gelassen hat. Das war für mich glaub ich im gesamten Jurastudium meine schlimmste Erfahrung ^^ – aber es hat mich trotzdem ein bisschen stärker gemacht, weil ich im Nachhinein all meine Ziele erreicht hab und es ist einfach eine Sache, an der man wachsen kann.

Ich wünsche euch viel Glück für eure Mündliche Prüfung und haltet gut durch! Meinen nächsten Beitrag zur mündlichen Prüfung könnt ihr im Juli lesen.

Ich hoffe, es waren hilfreiche Tipps für euch dabei. Falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, lasst mir gern einen Kommentar da.

Alles Liebe,

eure Allie

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